Kinder- und Jugendbeteiligung in der Praxis: Ein Seminar an der Hochschule Zittau/Görlitz

Wie lässt sich Kinder- und Jugendbeteiligung in der Praxis gestalten – insbesondere in ländlichen Räumen? Dieser Frage widmete sich ein Seminar an der Hochschule Zittau/Görlitz, in dem das Team von Stark im Land und der #MISSION2038 Einblicke aus der Programmpraxis gab. Bereits zum wiederholten Mal waren wir bei Professorin Mandy Schulze und ihren Studierenden zu Gast und brachten Erfahrungen, Materialien und Beispiele aus unserer Arbeit in sächsischen Kommunen mit.

Beteiligung als Ausgangspunkt

Zu Beginn stand die Perspektive der Studierenden im Mittelpunkt. In einem offenen Austausch wurde gesammelt, was sie persönlich mit Beteiligung verbinden und welche Erfahrungen sie selbst gemacht haben. Dabei wurde schnell deutlich: Begriffe wie Mitbestimmung, Teilhabe oder Interessenvertretung sind bekannt – konkrete Beteiligungserlebnisse aus der eigenen Jugend hingegen oft rar. Diese Beobachtung bildete den Ausgangspunkt für die weitere Auseinandersetzung.

Einordnung: Programme, Aufgaben und Arbeitsfelder

Im nächsten Schritt stellten wir die Arbeit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) vor und ordneten den Programmverbund Stark im Land ein. Anhand der Programme Hoch vom Sofa!, Jugend bewegt Kommune, Landheldinnen, Bürger:innenrat mit Kindern und #MISSION2038 wurde deutlich, wie vielfältig Beteiligung umgesetzt werden kann und welche Rolle kommunale Strukturen dabei spielen.

Theoretische Grundlagen und ländliche Besonderheiten

Darauf aufbauend standen im Anschluss zentrale fachliche Grundlagen im Fokus: Was bedeutet Beteiligung von Kindern und Jugendlichen eigentlich? Welche theoretischen Modelle helfen bei der Einordnung? Und welche Rahmenbedingungen prägen Beteiligungsprozesse außerhalb urbaner Räume?

Vorgestellt wurden dabei unter anderem verschiedene Formen der Beteiligung und das sogenannte „Dreieck der Beteiligung“, das die Wechselwirkung von Haltung, Methoden und strukturellen Voraussetzungen verdeutlicht. Diese Konzepte wurden stets mit Blick auf ihre praktische Anwendbarkeit diskutiert.

Beteiligung in der Praxis sichtbar machen

Nach dem Theorieteil folgte die Praxis. Anhand konkreter Beispiele aus verschiedenen Kommunen wurde gezeigt, wie unterschiedlich Beteiligungsformate aussehen können:

  • Sozialraumerkundungen mit Kindern, die ihren Ort aus eigener Perspektive untersuchen
  • Gemeinsame Aktionen mit kommunalen Entscheidungsträger:innen, etwa zur Verkehrsplanung
  • Digitale Befragungen, um Bedarfe sichtbar zu machen
  • Öffentliche Versammlungen, in denen junge Menschen ihre Anliegen einbringen

Die Beispiele verdeutlichten, dass Beteiligung weder einheitlich noch standardisiert funktioniert, sondern immer an den jeweiligen Kontext angepasst werden muss.

Was braucht gute Beteiligung?

In Kleingruppen setzten sich die Studierenden danach mit der Frage auseinander, unter welchen Bedingungen Beteiligung wirksam sein kann. Diskutiert wurden unter anderem:

  • die Wirkung von Beteiligung auf individueller, sozialer und kommunaler Ebene
  • notwendige Voraussetzungen wie Verlässlichkeit, Transparenz und klare Kommunikation
  • unterschiedliche Wege, junge Menschen zu erreichen und ernsthaft einzubeziehen

Ein zentrales Ergebnis: Erfolgreiche Beteiligung entsteht dort, wo junge Menschen nicht nur adressiert, sondern aktiv in die Gestaltung von Formaten einbezogen werden

Reflexion und Abschluss

Zum Ende des Seminars stand eine gemeinsame Reflexion im Vordergrund. Die Studierenden hielten fest, dass Beteiligung mehr bedeutet als punktuelle Mitwirkung – sie erfordert echte Teilhabe, klare Strukturen und eine Haltung, die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht.

Wir bedanken uns für den intensiven Austausch, die Offenheit und die vielfältigen Perspektiven der Studierenden. Ein besonderer Dank gilt Professorin Mandy Schulze für die kontinuierliche Zusammenarbeit. Wir freuen uns darauf, auch künftig gemeinsam mit Studierenden an Fragen der Kinder- und Jugendbeteiligung im ländlichen Raum zu arbeiten.